Zwischen der verbalen Botschaft eines Kindes und dem eigentlichen Bedürfnis, das sich dahinter verbirgt, liegt oft ein großer Unterschied. Kinder teilen sich gerne auf eine Weise mit, die wir Erwachsene als Doppelbotschaft interpretieren. Meist ist es dabei hilfreich, auf die Körpersprache des Kindes zu achten. Denn sie gibt klare Auskunft, was das Kind in der unmittelbaren Situation wirklich braucht.

Beim Spielen mit Magda, einem fünf Jahre alten Mädchen, in einem Wiener Kindergarten, lief sie mehrmals um mich herum und rief dabei gleichzeitig wiederholt „fang mich, fang mich“. Dabei war sie aber immer auf Distanz und behielt Abstand. Anfangs ignorierte ich ihre Worte, da ich selbst ganz im Spiel mit ihr versunken und somit auch ganz in meiner auf sie und mich gerichteten Körperwahrnehmung verankert war. Doch in einem Moment der Unachtsamkeit ließ ich mich auf ihren Appell ein. Als sie auf mich zugelaufen kam, um an mir vorbeizulaufen, wich ich ruckartig zur Seite und „schnappte“ sie leicht mit offenen Armen. Mehr noch als ihr „laß mich los!“ signalisierte mir ihr Körper, der sich augenblicklich verkrampfte und den Schwerpunkt nach unten verlagerte, dass sie das gar nicht wollte. 

Sofort verstand ich, dass es ihr nicht ums Gefangenwerden ging. Ihr machte es Spaß, sich vorzustellen, von mir gefangen zu werden, doch hieß das noch lange nicht, dass sie soweit war, dies wirklich zuzulassen. 

Wäre ich ganz im Gefühl und in der Wahrnehmung geblieben, wäre mir der Fehler nicht passiert. Magdas Wesen und ihr Körper signalisierten mir genau: „Es macht mir Freude mit Dir zu spielen, um dich herumzulaufen, dich dabei anzuschauen, mir vorzustellen, wie es ist, mich von Dir fangen zu lassen und dabei auf Distanz zu bleiben.“ Doch meine Konditionierung, auf Worte zu hören, brachte mich weg von der ursprünglichen Ebene des “Nur-Spielens” und zurück auf die Ebene der kognitiven Bewertung, Beurteilung und Interpretation. Dies führte zu Unsicherheit.

Wenn es um die Erfüllung von Bedürfnissen geht, sind Worte mitunter kontraproduktiv, da wir nicht wissen können, ob sie sich auf die Gegenwart, die Vergangenheit oder die Zukunft beziehen. Der Körper gibt oft viel klarere Hinweise über den Ist-Zustand und darüber, welches Bedürfnis nun wirklich im Vordergrund steht. Original Play ist ein Weg, in solchen Situationen auf das Gefühl und die Körperwahrnehmung vertrauen zu können und dadurch – der inneren Intuition folgend – das im Augenblick genau Angemessene zu tun.